Vertu, einst als Nokias Luxusmarke für Mobiltelefone bekannt, hat ein neues faltbares Smartphone vorgestellt: das AlphaFold. Es handelt sich um ein Android-Smartphone, das sich buchstäblich öffnen lässt und ein faltbares Design, hochwertige Materialien, einen KI-Assistenten und den für Vertu typischen außergewöhnlich hohen Preis vereint.
Der Einstiegspreis des Vertu AlphaFold liegt bei 6.880 US-Dollar. Die teureren Varianten sind deutlich teurer: Die Version mit Alligatorleder kostet 8.800 US-Dollar, und individuell gestaltete Ausführungen mit Golddetails und Diamantverzierungen können bis zu 46.800 US-Dollar kosten. Es ist also kein Konkurrent herkömmlicher High-End-Falthandys, sondern ein Luxusprodukt, dessen Preis sich unter anderem aus den verwendeten Materialien, der Verarbeitung, der Marke und den angebotenen Services ergibt.

Das AlphaFold setzt Vertus lange Tradition fort, Mobiltelefone als mehr als nur Technologie zu betrachten. Vertu, das Ende der 1990er-Jahre zu Nokia gehörte, wurde für seine handgefertigten Luxus-Mobiltelefone und Concierge-Services bekannt. Seitdem wechselte die Marke mehrmals den Besitzer, und die heutigen Vertu-Telefone sind Android-basierte Luxusgeräte. Laut WIRED betont Vertu weiterhin seine britische Herkunft, der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich jedoch in Hongkong und die Telefone werden in China montiert.
Technisch gesehen verfügt das AlphaFold über ein 8,05 Zoll großes, faltbares Innendisplay und ein 6,53 Zoll großes Außendisplay. Beide unterstützen eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hz. Für die Leistung sorgt Qualcomms Snapdragon 8 Elite Chipsatz, und die Akkukapazität beträgt 6.500 mAh. Laut Herstellerangaben unterstützt das Gerät kabelgebundenes Schnellladen mit 68 Watt; kabelloses Laden ist ebenfalls möglich.
Die Kameraausstattung ist für den Preis ungewöhnlich. Auf der Rückseite befinden sich eine 50-Megapixel-Hauptkamera, eine 50-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera und lediglich eine 5-Megapixel-Telekamera. Dies deutet darauf hin, dass das AlphaFold nicht primär auf Kameratechnik oder ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis ausgelegt ist. Mobiili.fi merkt zudem an, dass das Smartphone technisch auf dem Nubia Fold basiert, das ZTE im Dezember 2025 vorstellen wird.
Vertu legt beim AlphaFold besonderen Wert auf künstliche Intelligenz. Das Smartphone verfügt über einen Assistenten namens Hermes Agent, der beispielsweise Kalender, Reisepläne und Arbeitsaufgaben für den Nutzer verwalten soll. Laut Hersteller kann das System auch mit ERP- und CRM-Systemen von Unternehmen verbunden werden und verschiedene bekannte Dienste wie Gmail, Google Kalender, WhatsApp und Telegram nutzen. Zusätzlich ist ein A5-Sicherheitschip verbaut, der Funktionen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz, Datenübertragung und Datenschutz schützen soll.
Dies ist der interessanteste und zugleich kritischste Punkt des AlphaFold. Die Idee eines KI-Assistenten passt zu Vertus Zielgruppe, für die das Smartphone als persönliches Arbeits- und Servicecenter positioniert ist. Andererseits setzt das System voraus, dass der Nutzer dem Hersteller und seinen Sicherheitslösungen vertraut, insbesondere wenn das Smartphone mit E-Mails, Kalendern, Messengerdiensten oder Unternehmenssystemen verbunden ist. WIRED hebt zudem hervor, dass die Update-Versprechen nicht besonders überzeugend waren.
Vertu verwendet für die Konstruktion Titan, Kohlefaser und Leder. Das Scharnier soll bis zu 650.000 Faltvorgänge aushalten. Das Basismodell ist mit Kalbsleder ausgestattet, die teureren Varianten mit Alligatorleder, und die individualisierten Modelle können auch Edelmetalle und Diamanten enthalten. Damit ähnelt das AlphaFold eher einer Luxusuhr oder einem handgefertigten Accessoire als einem herkömmlichen Elektronikprodukt.
Das Vertu AlphaFold ist vor allem als Phänomen interessant. Es zeigt, dass es trotz des überwiegenden Wettbewerbs auf dem Smartphone-Markt über Bildschirme, Kameras, KI-Funktionen und Upgrade-Versprechen immer noch einen kleinen Markt für Luxus-Smartphones gibt. Das AlphaFold will kein typischer Kauftipp sein. Preis, Materialien und Concierge-Service deuten darauf hin, dass sich das Gerät an Nutzer richtet, für die das Smartphone auch ein sichtbarer persönlicher Gegenstand ist.
Gleichzeitig erinnert das AlphaFold an Vertus ursprüngliche Kernidee: Ein Smartphone kann auch dann ein Luxusprodukt sein, wenn die darin verbaute Technologie nicht in jeder Hinsicht die fortschrittlichste auf dem Markt ist. Vertu hat diesmal ein faltbares Display und einen KI-Assistenten integriert, doch die Grundidee ist dieselbe wie in den Anfangsjahren des Unternehmens unter Nokia: Der Wert eines Smartphones basiert nicht nur auf seinen technischen Merkmalen, sondern auch auf Materialien, Serviceleistungen und dem Wunsch des Käufers, sich von der Masse abzuheben.
Mehr Informationen: Vertu AlphaFold.
PS. Falls ein kleinerer Bildschirm ausreicht, umfasst die Vertu-Kollektion auch Folgendes: Agent Q Telefon. Es wird als KI-gestütztes Agenten-Smartphone für Unternehmer vermarktet und setzt Vertus bekannte Luxuslinie ohne Faltbildschirm fort. Die Preise für die Agent Q-Modelle beginnen bei mehreren Tausend Euro und steigen bei Sonderversionen deutlich an. Bei Vertu geht es also nicht nur um das Smartphone selbst, sondern auch um die verwendeten Materialien, die Personalisierung und die damit verbundenen Assistenzdienste.












