OnePlus war eine der meistverkauften Smartphone-Marken in Finnland. Nun stellt das Unternehmen jedoch den Betrieb ein und wird keine neuen Produkte mehr auf den Markt bringen. Diese Entscheidung betrifft ganz Europa.
Die Entscheidung basiert auf dem Entschluss von OPPO, der Muttergesellschaft von OnePlus, OnePlus durch die eigene Marke OPPO zu ersetzen. De facto bedeutet dies die Ablösung von OnePlus. OPPO gibt an, dadurch auch seine Position in Finnland und anderen nordischen Ländern stärken zu wollen.
OPPO kündigt an, sein Angebot an Premium-Smartphones auszubauen, die Produktverfügbarkeit zu verbessern und Kundenservice sowie Kooperationen in der Region zu intensivieren. In der Praxis wird die Marke OPPO, insbesondere die Geräte der Find-Serie, OnePlus zunehmend ersetzen.
Für OnePlus-Nutzer bedeutet diese Änderung jedoch nicht das sofortige Ende des Supports. Bestehende OnePlus-Nutzer erhalten Kundendienst und Wartung weiterhin über die gleichen Kanäle wie bisher, und bestehende Garantien sowie zuvor angekündigte Zusagen für Software-Updates, Betriebssystem-Upgrades und Sicherheitspatches bleiben unberührt.
Dies bedeutet, dass berechtigte OnePlus-Geräte weiterhin Updates gemäß den zuvor angekündigten gerätespezifischen Zeitplänen erhalten werden, während ältere Geräte weiterhin Wartungssupport für ihre aktuelle Softwareversion erhalten werden.
Auf der Softwareseite ist die Veränderung für die Nutzer möglicherweise sogar noch deutlicher sichtbar als eine reine Markenänderung.
OnePlus' OxygenOS war für viele Nutzer einer der Hauptgründe für die Beliebtheit der Marke, obwohl es sich in den letzten Jahren immer mehr OPPOs ColorOS angenähert hat. Wenn neue OnePlus-Geräte nicht mehr in Europa erhältlich sind und durch Smartphones der OPPO Find-Serie ersetzt werden, wechselt der Nutzer faktisch in die ColorOS-Welt von OPPO.
Die versprochenen Updates für bestehende OnePlus-Geräte werden fortgesetzt, doch der Trend geht offenbar in Richtung ColorOS. Nutzer werden nicht zwangsläufig gezwungen, sofort auf eine neue Benutzeroberfläche umzusteigen, aber wer bei OxygenOS bleibt, könnte mit einer älteren Softwareversion ohne regelmäßige Updates auskommen müssen. Für viele OnePlus-Nutzer ist die Umstellung daher weitaus bedeutender als nur eine Logoänderung.
OPPO startet außerdem eine Migrationskampagne für OnePlus-Nutzer in Finnland, Schweden und Dänemark. Die genauen Aktionsbedingungen werden später in den Online-Shops von OnePlus und OPPO veröffentlicht. OnePlus-Nutzer können im Rahmen der Aktion ihre Mitgliedschaft zu OPPO übertragen. Als Dankeschön erhalten sie eine kostenlose 80-Watt-Supervooc-Powerbank.
Darüber hinaus erhalten bestehende OnePlus-Nutzer einen Rabatt von 200 € auf ausgewählte Geräte der OPPO Find-Serie. Kunden, die an den Aktionen im OPPO Online-Shop teilnehmen, erhalten außerdem einen Rabattcoupon von 30 % auf ausgewählte Smartphones.
OnePlus und OPPO gehören seit Langem zusammen und nutzen gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsressourcen, Technologien, Softwareplattformen und Lieferketten. Diese Zusammenarbeit wird nun auf Markenebene noch deutlicher: OnePlus verlagert die Produktion neuer Produkte weg von Europa, und OPPO übernimmt dessen Platz.
Warum wird die bekannte Marke OnePlus in Europa eingestellt?
Die Entscheidung ist in Finnland besonders interessant, da OnePlus hier keine Randerscheinung war. OnePlus war lange Zeit nach Samsung und Apple die drittgrößte Marke auf dem finnischen Smartphone-Markt und erreichte in der Spitze einen Marktanteil von über 15 Prozent. Der Erfolg in Finnland basierte insbesondere auf Elisas frühem Wiederverkauf, lokalem Marketing, einer starken Nutzergemeinschaft und dem von Huawei und Xiaomi hinterlassenen Raum.
Finnland bildete jedoch eine Ausnahme. OnePlus konnte in anderen Teilen Europas und Nordamerikas keinen vergleichbaren Erfolg erzielen. Der Marktanteil von OnePlus in Finnland war um ein Vielfaches höher als im übrigen Europa, wo er bestenfalls nur wenige Prozentpunkte betrug. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung daher verständlicher: Eine starke Position auf dem kleinen finnischen Markt reicht nicht aus, wenn die Umsätze in Europa und Nordamerika insgesamt nicht rentabel sind.
Hinzu kommt das Verblassen der ursprünglichen Idee hinter OnePlus. Die Marke etablierte sich einst als „Flaggschiff-Killer“, der Spitzenfunktionen zu einem deutlich niedrigeren Preis als die Konkurrenz bot. Im Laufe der Jahre stiegen die Preise, das Angebot wurde erweitert und der Abstand zur Konkurrenz verringerte sich. Gleichzeitig reifte der Smartphone-Markt: Die jährlichen Technologiesprünge verlangsamten sich, und es wurde schwieriger, sich nachhaltig zu differenzieren.
Aus Sicht von OPPO scheint es auch um Kosteneinsparungen und die Vermeidung von Doppelarbeit zu gehen. OPPO und OnePlus teilen sich seit Langem Produktentwicklung, Software, Hardwareplattformen und Lieferketten. Mit der zunehmenden Konvergenz von Produkten und Software bedarf es immer mehr Argumentation, zwei separate Marken im selben Markt zu führen. Die schwierige Marktlage im Jahr 2026 und steigende Komponentenkosten könnten den Druck zur Zentralisierung der Abläufe zusätzlich erhöhen.
Aus Verbrauchersicht ist die Entscheidung weiterhin riskant. OnePlus war für viele ein bekannterer und interessanterer Name als OPPO und verfügte in Finnland über eine starke Nutzerbasis. Gleichzeitig hat sich die Softwareidentität von OnePlus abgeschwächt, da OxygenOS immer mehr dem ColorOS von OPPO ähnelt. Sollte die eigene Marke OnePlus und das damit verbundene Nutzererlebnis verschwinden, werden nicht alle Nutzer automatisch zu OPPO wechseln. Einige bleiben vielleicht bei der Find-Serie von OPPO, andere bei Realme und wieder andere wechseln zu ganz anderen Marken.









