Madonnas neues Album „Confessions II“ wurde außerordentlich positiv aufgenommen. Kritiker bezeichnen es als ihr stärkstes, stimmigstes und lebendigstes Album der letzten zwei Jahrzehnte. Nun ja, man kann anderer Meinung sein …
Das Anfang Juli erschienene Album ist der Nachfolger von „Confessions on a Dance Floor“ aus dem Jahr 2005, das den Megahit „Hung Up“ enthielt. Madonna ist mit demselben Produzenten, Stuart Price, auch zur elektronischen Tanzmusik, House und Disco zurückgekehrt.
Die Rückkehr bedeutet jedoch keine direkte Wiederveröffentlichung des Originalalbums. „Confessions II“ erkundet die Geschichte der Dance-Musik, aber auch Madonnas eigenes Leben und ihre Karriere. Das Album thematisiert ihre frühen Jahre in New Yorker Clubs, familiäre Beziehungen, Verluste und das Älterwerden in einer Welt, in der von Popstars erwartet wird, sich ständig neu zu erfinden.
Gute Bewertungen…
Das Album hat auf Metacritic eine Durchschnittswertung von 80 Punkten, The Guardian vergab vier Sterne und bezeichnete es als Madonnas bestes Album seit ihrem Debütalbum „Confessions on a Dance Floor“. Clash beschrieb es als ihr energiegeladenstes und unwiderstehlichstes Album seit über einem Jahrzehnt.
Helsingin Sanomat vergab dem Album ebenfalls vier Sterne und bezeichnete das Comeback als Erfolg. Laut der Rezension präsentiert sich Madonna auf dem Album als selbstbewusste und zugleich verletzliche Dancefloor-Künstlerin. Insbesondere der zweite Teil des Albums erinnert an ihre wegweisenden Alben „Erotica“ und „Ray of Light“ aus den 1990er-Jahren.
Der Unterzeichner war allerdings nicht sonderlich begeistert. Ehrlich gesagt klingt es ein bisschen nach einer zweitklassigen Produktion. Fehlte es den Kritikern an Biss? Nun ja, Geschmackssache, aber im Vergleich zu Madonnas größten Hits fehlt ihm meiner Meinung nach der gewisse Groove.
Tanz, Nostalgie und persönliche Themen
Einer der eingängigsten Clubtracks des Albums ist „Danceteria“, benannt nach einem New Yorker Nachtclub aus Madonnas frühen Jahren. Der Song versprüht dieselbe mitreißende Tanzenergie wie ihre Hits aus den 1980er-Jahren.
Gegen Ende des Albums ändert sich die Stimmung. „Fragile“ handelt von Madonnas verstorbenem Bruder Christopher Ciccone, und „The Test“ ist eine Zusammenarbeit mit ihrer Tochter Lola Leoni. In diesen Liedern klingt Madonna so intim und persönlich wie schon lange nicht mehr.
Ein Vorbehalt taucht in den Rezensionen immer wieder auf: Dem Album fehlt möglicherweise ein sofort wiedererkennbarer Hit wie „Hung Up“. Die 16 Songs umfassende Sammlung wird zudem als etwas zu lang empfunden, und einige Kritiker bemängeln, dass Madonnas geflüsterter Gesangsstil mitunter etwas aufgesetzt wirkt. Laut der „Times“ enthält das Album ein paar zu viele repetitive Dance-Songs, obwohl die besten Momente sowohl stark als auch überraschend persönlich sind.
Insgesamt ist die Resonanz eindeutig: Madonna versucht diesmal nicht, wie jüngere Künstler zu klingen, sondern erobert das musikalische Terrain zurück, das sie selbst aufgebaut hat.
Eine ehrwürdige Geschichte und ein ständiger Innovator des Pop
Madonna stieg Anfang der 1980er-Jahre von den New Yorker Tanzclubs zum Weltstar auf und feierte Hits wie „Holiday“, „Borderline“ und „Lucky Star“. Mit dem Album „Like a Virgin“ aus dem Jahr 1984 etablierte sie sich endgültig als zentrale Figur der Popkultur.
Ihr Einfluss beschränkte sich nicht allein auf ihre Lieder. Madonna verband Musik, Videos, Mode, Sexualität und ein bewusst inszeniertes öffentliches Image auf eine Weise, die die Wahrnehmung des modernen Popstars veränderte.
Seine Karriere lässt sich in mehrere unterschiedliche Phasen unterteilen. Like a Prayer erweiterte seinen musikalischen Ausdruck in eine persönlichere Richtung, Erotica führte ihn in Richtung House und düsterer Clubmusik, und Ray of Light verband elektronische Produktion mit spirituellen und introspektiven Themen.
Madonnas Werk zeichnet sich durch klanglich herausragende Phasen aus. Aus der Sicht eines Dance-Musik-Fans zählen beispielsweise „Erotica“, „Ray of Light“, „Music“ und das erste „Confessions on a Dance Floor“ zu den beeindruckendsten Popalben ihrer Zeit. Ihr Sound ist voluminös, vielschichtig und rhythmisch präzise, gleichzeitig ist aber jedes Album unverkennbar einzigartig.
In den 2010er-Jahren wurden MDNA, Rebel Heart und Madame X gemischter aufgenommen. Sie enthielten zwar jeweils starke Songs und gewagte Ideen, doch das Gesamtwerk wirkte oft fragmentiert. Confessions II klingt wie eine bewusste Rückkehr zu Madonnas Stärken: die Kombination aus Dance-Musik, einer starken visuellen Identität und persönlichen Themen.
Madonnas Top 10
Die Liste ist zwangsläufig auch teilweise subjektiv, aber das sei dahingestellt. Filme wie „Like a Prayer“, „Into the Groove“, „Vogue“, „Frozen“ und „Ray of Light“ erfreuen sich auch internationaler Kritikerlieblinge großer Beliebtheit und stehen ganz oben auf den Listen.
1. Into the Groove: Schon als Tanzmusik ist es ein nahezu perfekter Song: einfach, hypnotisch und dennoch sehr wirkungsvoll.
2. Like a Prayer: Der Song vereint Gospel, Rock und Pop und ist sowohl musikalisch als auch kulturell eines der wichtigsten Werke in Madonnas Karriere.
3. Mode: Ein House-Klassiker, der die New Yorker Ballroom-Kultur in den globalen Mainstream-Pop einführte.
4. Gefroren: Der düstere, luftige und außergewöhnlich gut produzierte Song eröffnete die Ray of Light-Saison.
5. Lichtstrahl: Ein rasanter und euphorischer Elektropop-Song, bei dem Madonnas Stimme und William Orbits Produktion nahtlos ineinandergreifen.
6. Aufgelegt: Der auf einem ABBA-Sample basierende Dance-Hit bewies 2005, dass Madonna immer noch sowohl die Clubs als auch die Popcharts dominieren konnte.
7. Überleben, um davon zu erzählen: Eine zurückhaltende und gewichtige Ballade, die bereits in den 1980er Jahren zeigte, dass Madonna zu einem viel breiteren Ausdrucksspektrum fähig war als zu geradlinigem Dance-Pop.
8. Immer tiefer: Eines der Highlights des Albums „Erotica“. House, Disco und ein Gefühl der Befreiung verschmelzen zu einem außergewöhnlich wirkungsvollen Ganzen.
9. Musik: Ein minimalistischer und origineller elektronischer Clubhit, der sich im Jahr 2000 von allem anderen in der Mainstream-Popmusik unterschied.
10. Urlaub: Einer von Madonnas ersten großen Hits und bis heute einer ihrer beständigsten Dance-Songs.
Confessions II enthält vielleicht keinen so eindeutigen neuen Klassiker wie Like a Prayer, Vogue oder Hung Up, aber als Album scheint es Madonna zu etwas Wichtigerem zurückgeführt zu haben: ihrer eigenen Stimme und ihrem Platz als unbestrittene Königin der Tanzfläche.
Kysly
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