JBL ist laut Statistiken seit Jahren Marktführer im Kopfhörersegment. Besonders erfolgreich war das Unternehmen im Bereich der Einsteiger- und Mittelklasse-Kopfhörer. Im Premium-Segment der Over-Ear-Kopfhörer zwischen 300 und 500 Euro dominierten traditionell andere Marken wie Bose und vor allem Sony den Markt. Nun stellt die neue JBL Tour One Serie der dritten Generation diese etablierten Hersteller ernsthaft infrage.
Der Tour One M3 ist ein typischer High-End-Wireless-Kopfhörer: ein kabelloser Over-Ear-Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung und Kopfbügel, der (zum Zeitpunkt des Verfassens) 399 Euro kostet. Der Kopfhörer ist leicht und aus Kunststoff gefertigt, wirkt aber dennoch etwas billig, obwohl die Verarbeitung und Haptik einwandfrei sind und die Konstruktion robust ist. Die hohe Qualität zeigt sich darin, dass beim Hören keine störenden mechanischen oder knarrenden Geräusche auftreten. Die Gelenke sind allerdings aus Kunststoff, daher wird sich erst mit der Zeit zeigen, wie haltbar sie sind. Ein gewisses Premium-Feeling fehlt jedoch etwas. In Gold (von JBL als „Wildleder“ bezeichnet) wäre das vielleicht etwas besser.
Die Ohrpolster sind aus Kunstleder gefertigt und die leichten Kopfhörer bieten einen sehr angenehmen Tragekomfort. Die Kopfhörer lassen sich zusammenklappen und werden mit einem Etui geliefert.
Der Hersteller verspricht bis zu 70 Stunden Akkulaufzeit ohne und 40 Stunden mit Geräuschunterdrückung – beides Spitzenwerte in seiner Klasse. In Tests wurden sogar Laufzeiten von über 50 Stunden erreicht. Und mit nur fünf Minuten Schnellladung sollen weitere fünf Stunden Hörgenuss möglich sein.



Verbessere deine Stimme mit der App
Die Kopfhörer verbinden sich mühelos per Bluetooth mit Ihrem Smartphone und sind sofort einsatzbereit. Das volle Potenzial der Kopfhörer lässt sich jedoch erst mit der JBL Headphones App ausschöpfen, die Sie auf Ihr Smartphone herunterladen. Dies gilt übrigens auch für viele andere Kopfhörer.
Die Anwendung bietet zahlreiche Einstellungen und Anpassungsmöglichkeiten, mit denen man sich nach und nach vertraut machen sollte. Die wichtigste Klangeinstellung ist der 10-Band-Equalizer, mit dem sich der Klang vielfältig bearbeiten lässt. Und das lohnt sich.
Mit der Einstellung „Flat“, also ohne Korrektur, klingt der Klang an sich recht gut und angenehm, allerdings ist der Bass etwas zu stark (natürlich Geschmackssache), und der Gesamtklang wirkt etwas dunkler. Der Equalizer bietet sechs verschiedene Voreinstellungen, von denen „Studio“ den ausgewogensten Klang liefert. Warum fehlt aber eine sogenannte Harman-Zielkurven-Einstellung, die optimale Ergebnisse erzielt? Eine Einstellung, deren Wiedergabe in Studien wiederholt als neutral und für möglichst viele Hörer angenehm bewertet wurde? Der Grund ist vermutlich kommerzieller und praktischer Natur: Hersteller wollen sich mit ihren Klangprofilen differenzieren und gleichzeitig vorgefertigte, „einfache“ Voreinstellungen anbieten, die beispielsweise für Bassliebhaber geeignet sind. Viele Nutzer finden die betonten Bässe und Höhen zunächst beeindruckender – auf Dauer wirkt das aber meist aufdringlich.
Es ist merkwürdig, dass der Hersteller nicht einmal eine optionale „Referenz“- oder „Harman-Ziel“-Voreinstellung anbietet. Zumal die „Harman-Kurve“ das Ergebnis eigener Forschung von JBL ist.
Weitere Informationen zur Harman-Zielantwort finden Sie im Artikel von AVPlussa: Mit Equalizer: 20-Euro-Kopfhörer mit Klangqualität wie 200-Euro-Kopfhörer?
Die Wiedergabe kann durch die folgenden Equalizer-Einstellungen einem optimalen Klangbild angenähert werden:
Die mittleren und hohen Frequenzen werden bei 2000 Hz um +2–3 dB und bei 4000 Hz um +4–6 dB angehoben, eventuell mit einer leichten Absenkung von -1–2 dB bei 8000 Hz. Die tiefen Frequenzen können unverändert bleiben oder bei 32 und 64 Hz um jeweils einige Dezibel und bei 259 Hz um weitere einige Dezibel abgesenkt werden. Ganz nach Ihrem Geschmack. Und natürlich können Sie den Bass nach Belieben verstärken.
Nach einigen Feinabstimmungen lässt sich der Klang als musikalisch beschreiben und positioniert sich im oberen Bereich seiner Preisklasse, oder zumindest nahe daran.

Zu den zahlreichen weiteren Funktionen der App gehören Ambient Aware, ein Sprachmodus, die Deaktivierung der Touch-Steuerung und ein Personi-Fi-Hörtest. Laut JBL optimiert dieser den Equalizer basierend auf Ihrem Hörvermögen. In der Praxis hat sich dies jedoch kaum bemerkbar gemacht, und es gibt keine eindeutigen Belege für signifikante Verbesserungen in anderen Bereichen. Die App ermöglicht außerdem die Steuerung des Spatial-360-Modus, der durch die Erfassung von Kopfbewegungen ein räumliches Klangerlebnis erzeugt. Der Effekt ist jedoch eher subtil, und nicht jeder empfindet ihn als hörwertsteigernd.
Die JBL Headphones App verfügt außerdem nicht über eine separate Widget-Funktion, mit der man die Einstellungen für Geräuschunterdrückung oder Equalizer direkt vom Startbildschirm des Telefons aus anpassen kann.

Die „perfekte“ Antwort?
Um den Frequenzgang der JBL Tour One M3-Kopfhörer an die Zielkurve „Harman 2018 Linear Bass“ anzunähern, stellen Sie den Equalizer in der JBL Headphones App wie folgt ein:
Betonen Sie die mittleren und hohen Frequenzen: 2000 Hz 2–3 dB, 4000 Hz 4–6 dB und eventuell eine leichte Absenkung von 1–2 dB bei 8000 Hz. Die tiefen Frequenzen können unverändert bleiben oder sogar leicht angehoben werden. Für eine möglichst neutrale Wiedergabe können Sie jedoch 32 Hz und 64 Hz um 1–2 dB und 25 Hz um weitere 2 dB absenken. Mit diesen Einstellungen erhalten Sie eine Klangbalance, die der optimalen Harman-Kurve ähnelt. Mich wundert, dass es dafür keine direkte Voreinstellung in der Anwendung gibt.
HiRes-Codecs
Während viele Android-Smartphones weiterhin Qualcomms aptX-, aptX HD- und aptX Adaptive-Codecs nutzen, unterstützt der JBL Tour One M3 diese nicht. Stattdessen bietet der Kopfhörer LDAC-Unterstützung, was höhere Bitraten und potenziell bessere Klangqualität ermöglicht, insbesondere beim Hören hochauflösender Musik. Dies ist in den letzten Jahren immer üblicher geworden, da LDAC in das Betriebssystem vieler Android-Geräte integriert ist, während für aptX-Profile eine separate Lizenz erforderlich ist.
In der Praxis bedeutet dies, dass der Tour One M3 auf Smartphones, die primär aptX-Codecs verwenden (wie ältere oder bestimmte Android-Modelle der Mittelklasse), diese nicht unterstützt und stattdessen auf SBC oder AAC zurückgreift. LDAC bietet jedoch für die meisten modernen Android-Geräte eine höhere Bitrate und macht aptX in vielen Fällen überflüssig. Dies spiegelt einen allgemeinen Trend wider, bei dem Hersteller LDAC bevorzugen oder sich auf den kommenden LE Audio/LC3-Standard vorbereiten, obwohl aptX nicht vollständig vom Markt verschwindet.
Die Geräuschunterdrückung funktioniert
Die Klangqualität wurde bereits als exzellent gelobt, aber wie sieht es mit der Geräuschunterdrückung aus?
Der Vorgänger, der Tour One M2, war in dieser Hinsicht recht ordentlich, konnte aber mit der Konkurrenz nicht ganz mithalten. Der M3 erwies sich von Anfang an als fortschrittlicher als sein Vorgänger: Das tiefe Brummen eines Busses wurde bemerkenswert gut gedämpft, was auch eine zuverlässige Geräuschunterdrückung im Flugzeug verspricht. In manchen Situationen führte eine Änderung der Kopfposition zu einem leichten „Pumpen“ der Dämpfung. Das bloße Einschalten der Geräuschunterdrückung ohne hörbares Signal kann oft ein unangenehmes Druckgefühl erzeugen, doch der JBL-Kopfhörer meisterte diesen Test problemlos. Erfreulicherweise scheint die Geräuschunterdrückung die Klangbalance kaum zu beeinträchtigen; ein Aspekt, der bei manchen Kopfhörern immer noch bemängelt wird.
JBL ist bei diesem Modell in puncto Geräuschunterdrückung sehr konkurrenzfähig. Die Geräuschunterdrückung von JBL funktioniert in der Praxis hervorragend: Sie dämpft insbesondere tiefe Frequenzen effektiv und ermöglicht so die Nutzung der Kopfhörer selbst in lauten Umgebungen, wie beispielsweise im Flugzeug oder im Großraumbüro. Darüber hinaus schirmen die Ohrmuscheln auch ohne aktive Geräuschunterdrückung passiv sehr gut ab. Der Transparenzmodus erlaubt es, Gespräche oder die Umgebung wahrzunehmen, ohne die Kopfhörer abnehmen zu müssen. Insgesamt ist die Geräuschunterdrückung in dieser Preisklasse ein klares Highlight.
Ebenso nennt man
Die Kopfhörer eignen sich gut für Anrufe: Der Klang ist klar und die Mikrofone filtern Hintergrundgeräusche effektiv heraus. Dadurch sind die Kopfhörer auch in lauten Umgebungen sehr nützlich für Telefonate und Videokonferenzen. In sehr lauten Situationen kann die Geräuschunterdrückung jedoch zu stark sein, sodass Teile der Sprache abgeschnitten werden oder für den Gesprächspartner abgehackt klingen. Die Freisprechfunktion ist insgesamt eine klare Stärke der Tour One M3 Kopfhörer.
Smart Tx-Controller/Sender
Die Kopfhörer werden mit einer separaten JBL Smart TX Box geliefert, die etwa so groß wie eine Streichholzschachtel ist und über einen kleinen Touchscreen verfügt. Dieser dient sowohl als Controller für die Kopfhörerfunktionen als auch als drahtloser Audio-Transmitter. Er lässt sich per USB-C oder 3,5-mm-Anschluss mit jeder Audioquelle verbinden, beispielsweise mit einem Fernseher, Computer oder einem Bordunterhaltungssystem, und überträgt den Ton über JBLs eigene, latenzarme Funkverbindung an die Kopfhörer. Über den Touchscreen können Sie Musik, Geräuschunterdrückung und Equalizer anpassen sowie Anrufe annehmen, ohne Ihr Smartphone in die Hand nehmen zu müssen. Der Transmitter unterstützt außerdem die neue Auracast-Technologie, mit der Sie Audio gleichzeitig an mehrere kompatible Kopfhörer oder Lautsprecher senden können.


Der Klang über USB-C war gut, aber aus irgendeinem Grund war die Klangqualität über den analogen 3,5-mm-Anschluss deutlich schlechter als erwartet. Geradezu schlecht. Daher ist der Kopfhörer nicht für die Verwendung am Fernseher oder im Flugzeug zu empfehlen. Zumal die Kopfhörer direkt an den USB-C-Ausgang angeschlossen werden können und ein USB-C/3,5-mm-Kabel ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist. Dieses ist allerdings etwas zu kurz und steif.
Insgesamt wirkt Smart Tx wie eine eher überflüssige Funktion. Glücklicherweise sind die Kopfhörer auch ohne diese Funktion für 50 Euro weniger erhältlich.
Ein großartiges Headset, aber die Konkurrenz ist hart.
Der JBL Tour One M3 hinterließ einen positiven Eindruck. Die Klangqualität war nach kurzer Eingewöhnung sehr gut und angenehm. Die leichten Kopfhörer sitzen zudem bequem. Auch die Geräuschunterdrückung ist deutlich besser und effektiver als beim Vorgängermodell. Einfach gut. Die App bietet vielfältige und nützliche Funktionen. Da die Akkulaufzeit ebenfalls zu den besten auf dem Markt zählt, hat JBL in einem hart umkämpften Segment ein durchaus konkurrenzfähiges Produkt geschaffen. Andererseits ist die Konkurrenz groß, und der Qualitätseindruck von JBL kann beispielsweise nicht ganz mit dem von Sony mithalten. Der Nutzen der Smart TX-Einheit ist fraglich. Es könnte sich lohnen, die Kopfhörer auch ohne sie zu kaufen.
Gute Klangqualität, effektive Geräuschunterdrückung, angenehmer Tragekomfort, lange Betriebsdauer, vielseitige Einstellmöglichkeiten.
Die Verarbeitung aus Kunststoff ist für diese Preisklasse unzureichend, ebenso die Klangqualität des Smart Transmitters bei der Übertragung analoger Audiosignale, und es besteht generell kein Bedarf an diesem Gerät.
| Marke und Modell | JBL Tour One M3 Smart TX |
|---|---|
| Preis | 399 € (Ohne Smart Tx 349 €) (*) |
| Ansprechpartner / zusätzliche Informationen | JBL |
| Struktur | Geschlossen, über dem Ohr, faltbar |
| Technik | Dynamisch, kabellos, mit Geräuschunterdrückung |
| Elemente / Impedanz | 40 mm, 18 Ohm |
| Bluetooth / Codecs | 5.3 / SBC, AAC, LDAC, LC3 |
| Auracast / Multipoint | Ja / ja |
| Bedienelemente an den Kopfhörern | Ein-/Ausschalten, Lautstärke, Wiedergabe, Anrufe, ANC ein/aus, Mithören, Sprachassistenten |
| Anwendungsmerkmale | Equalizer, Personi-Fi, ANC-Steuerung, Transparenzeinstellungen, Spatial 360, Autoplay, automatische Abschaltung, Touch-Definition, Akkuanzeige, Firmware-Updates, kein Widget |
| Kabelgebundener Betrieb | Ja, USB-C (3.5-mm-Adapter), keine passive Nutzung |
| USB-DAC | Ja |
| Zugangssensor | Ja (automatische Pause/Wiedergabe) |
| Spielzeit (ANC aus/ein) | 70/40 h |
| Freisprechzeit | 38/34 h |
| Latausaika | etwa 2 Stunden |
| Schnellladung | 5 Minuten = 5 Stunden |
| IP-Schutzart | Ei |
| Gewicht | 278 g |
| Farben | Schwarz, Blau, Wildleder, Beige |
| Pakkauksen sisältö | Hülle, Smart Tx, USB-C/USB-C, USB-C/3,5 mm, USB-A-Adapter |
| Handbuch | Verknüpfung |
| JBL Smart Transmitter | |
| Toiminnot | Drahtloser Sender und Controller mit Touchscreen |
| Betriebszeit / Ladezeit | 18 Uhr / 2 Uhr |
| Abmessungen / Gewicht | 57 x 18 x 39 mm / 34,5 g |
Alle Angaben stammen vom Hersteller.
(*) Auf der Website des Herstellers sind die JBL-Preise je nach Händler sehr unterschiedlich.
Nutzt irgendjemand Apps für Kopfhörer?
Viele Kopfhörer bieten eine eigene Smartphone-App an, mit der sich der Equalizer anpassen, die Geräuschunterdrückung steuern oder andere Herstellerfunktionen aktivieren lassen. Wie viele Nutzer installieren und verwenden die App tatsächlich?
Es gibt nur wenige offizielle Studien zu diesem Thema, aber Nutzern in Foren zufolge lädt die Mehrheit der Anwender die App des Herstellers in der Praxis gar nicht herunter oder nutzt sie nur gelegentlich. Manche verstehen sie nicht einmal oder wissen nicht, wie man sie benutzt.
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