Der warme Klang von Röhren und die Funktionalität moderner Technologie vereint – der Dayton Audio HTA200 ist ein Hybridverstärker, der Retro-Ästhetik, Transistorleistung und vielseitige Anschlussmöglichkeiten kombiniert. Bietet er trotz seines erschwinglichen Preises wirklich das Beste aus beiden Welten?
Viele HiFi-Enthusiasten geben zu, eine Schwäche für den warmen Klang und das Leuchten von Röhren zu haben. Gleichzeitig erfordern Alltagstauglichkeit und vielseitige Anschlussmöglichkeiten moderne Technologie. Der Dayton Audio HTA200 will diese beiden Welten vereinen: den Retro-Charme eines Röhrenverstärkers, den warmen Klang und die Leistung und Anschlussmöglichkeiten eines Transistorverstärkers. Das Ergebnis ist ein Gerät, das eher wie ein dekoratives Element im Wohnzimmer wirkt als wie ein reiner Verstärker – doch die entscheidende Frage ist: Bietet er wirklich das Beste aus beiden Welten?
Dayton Audio ist ein amerikanischer Hersteller von Audioprodukten und eine bekannte Marke, die insbesondere für ihre preisgünstigen Lautsprecher, Verstärker und DIY-Audiokomponenten bekannt ist. Dayton gehört zur Parts Express Gruppe, einem der größten Elektronikteilehändler in den USA. Wir haben uns entschieden, das Flaggschiff der Hybrid-Röhrenverstärker-Reihe, den HTA200, zu testen. Was genau ist eine „Hybrid-Röhrenstruktur“? Kurz gesagt, basiert der HTA200 auf einer Halbleiterverstärkung mit dem traditionellen Class-AB-Prinzip in der Endstufe. Die Nennleistung beträgt 80 Watt an 8 Ohm bzw. 100 Watt an 4 Ohm. Auch die Vorstufe ist mit sieben Elektronenröhren bestückt.
- Die Anschlussmöglichkeiten sind ausreichend, inklusive eines Plattenspielereingangs (im Bild mit aufgesetzten Abdeckungen). Der Verstärker verfügt außerdem über einen DAC und bietet daher sowohl einen optischen als auch einen USB-Audio-Eingang (USB-B) auf der Rückseite. Die Lautsprecheranschlüsse sind hochwertig. Es gibt einen Mono-Ausgang für den Subwoofer (ungefiltert). Ein Lüfter ist ebenfalls auf der Rückseite angebracht.
- Der Verstärker ist standardmäßig auf die amerikanische Betriebsspannung von 110 V eingestellt. Vor der Inbetriebnahme muss er unbedingt auf die finnische Spannung von 230 V umgestellt werden. Dazu gab es keinen Hinweis. Außerdem war kein EU-Netzkabel im Lieferumfang enthalten, sondern nur das abgebildete US-Kabel. Ein kleiner Hinweis an den Verkäufer.
- Der Verstärker besticht durch sein traditionelles Design und seinen handwerklichen Charakter – im Guten wie im Schlechten. Es handelt sich um eine klassische AB-Klasse-Lösung mit funktional separaten Komponenten und einer Röhrenvorstufe. Die Röhren sind aktiv in die Wiedergabekette eingebunden und dienen nicht nur der Klangkulisse. Vor- und Endstufe verfügen über eigene Platinen.
- Das Leuchten der Röhren ist ein wesentlicher Bestandteil des optischen Reizes der Dayton und erzeugt eine Atmosphäre im Retro-Stil. Sie werden sogar warm. Und „für die Technikbegeisterten“: 2 x 13P1P Leistungspentrode, 2 x 6K4 Vorstufenröhre, 2 x 6H2 Doppeltriode und 1 x WY-3P Gleichrichterröhre.
- Es sorgen nicht weniger als zwei Ringkerntransformatoren für die Stromversorgung. Diese Transformatorenart ist hochwertiger und energieeffizienter als herkömmliche Transformatoren. Zudem erzeugt sie weniger 50-Hz-Brummen in der Nähe empfindlicher Audioschaltungen. Ein seltenes Merkmal in dieser Preisklasse.
- Der Vorteil von VU-Metern liegt in ihrer Ästhetik und ihrer wichtigen Rolle für die Retro-Atmosphäre, aber tatsächlich liefern sie auch einen überraschend guten Hinweis auf die Leistungsreservegrenze des Verstärkers.
- Einfach und übersichtlich. Die Reichweite der Fernbedienung könnte zwar größer und die Leistung besser sein – man muss sie jetzt sehr präzise ausrichten. Die Lautstärkeregelung erfolgt motorisch.
- Die Programmauswahl an der Vorderseite ist übersichtlich, das LED-Display könnte etwas heller sein, um die Auswahl besser ablesen zu können; andererseits stört dies den Vintage-Charme etwas. Die traditionellen Bass- und Höhenregler sind gut nutzbar. Die Kopfhörerbuchse hat den Standarddurchmesser von 6,35 mm und passt somit zum Modell.
- Die Programmauswahl an der Vorderseite ist übersichtlich, das LED-Display könnte etwas heller sein, um die Auswahl besser ablesen zu können; andererseits stört dies den Vintage-Charme etwas. Die traditionellen Bass- und Höhenregler sind gut nutzbar. Die Kopfhörerbuchse hat den Standarddurchmesser von 6,35 mm und passt somit zum Modell.
Beeindruckender Verstärker
Der Dayton HTA200 ist ein optisch sehr beeindruckendes Gerät: Sieben Röhren zieren die Verstärkerabdeckung hinter glänzendem Stahlschutzblech, dahinter befinden sich die großen zylindrischen Gehäuse der Netzteile. Der Verstärker ist komplett aus Metall gefertigt und seine Verarbeitungsqualität ist bemerkenswert. Ob beleuchtete VU-Meter zur Anzeige der Ausgangsleistung notwendig sind, ist Geschmackssache – vermutlich ist dies eher ein nostalgischer Effekt, der eine bestimmte Atmosphäre erzeugen soll. Die LED-Anzeige für die Eingangswahl mag manch einer als Stilbruch empfinden, andererseits ist sie recht dezent und informativ.
Der HTA-200 verfügt über einen analogen RCA-Eingang (AUX) und einen Plattenspielereingang für MM-Tonabnehmer. Zu den digitalen Eingängen gehören Koaxial-, optische und USB-DAC-Eingänge. USB-Audio unterstützt Audiodateien mit bis zu 32 Bit/192 kHz. Der Dayton ist außerdem mit einem Bluetooth-Empfänger ausgestattet. Die Ausgänge umfassen robuste Lautsprecheranschlüsse, einen Line-Pegel-Subwoofer-Ausgang (Breitband) und einen 6,3-mm-Kopfhörerausgang.
Genau bei der Spannungsmessung?
Die Einrichtung des Verstärkers war recht einfach – oder zumindest fast: Beim Öffnen der Verpackung fiel mir auf, dass das Netzkabel ein amerikanisches Modell war. Ein Blick auf den roten Schalter auf der Rückseite verriet außerdem, dass das Gerät auf eine Betriebsspannung von 110 V eingestellt ist. Nirgendwo wurde darauf hingewiesen. Ein großer roter Warnhinweis direkt beim Öffnen der Verpackung wäre dringend angebracht. Der Käufer muss also unbedingt die Spannung auf 230 V umstellen und ein ordnungsgemäß geerdetes Netzkabel besorgen, um den Verstärker überhaupt in Betrieb nehmen zu können. Das ist ziemlich ärgerlich für den Verkäufer (SoundImports).
Nachdem die Probleme mit Spannung und Stromkabel behoben waren, war der Verstärker einsatzbereit. Da keine Apps benötigt werden, war die Einrichtung wieder einmal kinderleicht. Wir schlossen den Bluesound Node Streamer als erste Quelle an den AUX-Anschluss an. Als Lautsprecher dienten die mitgelieferten Epos ES14. Wir warteten etwa eine halbe Stunde, bevor wir mit dem Abspielen begannen – Röhrenverstärker benötigen bekanntlich Zeit zum Aufwärmen, um ihre optimale Leistung zu erreichen, zumindest empfehlen das Röhren-Enthusiasten.
Wie klingt Dayton für Sie?
Als Einstiegsmusik wurde Steely Dans Album „Aja“ gespielt. Ich weiß nicht, ob es Einbildung war, aber der warme Klang war sofort spürbar. Danach folgte der obligatorische Testsong der Redaktion: „Yellon Kiss in Blue“. Dessen dynamischer Bass verriet viel über die Leistungsfähigkeit des Wiedergabegeräts. Die zuvor etwas zu hellen Höhen des verwendeten Epos ES14 klangen ruhiger und – ich muss es sagen – wärmer. Auch die Mittenwiedergabe ließ keine Wünsche offen: Der Klang war klar und präzise. Ist das die Wärme, die das menschliche Ohr so schätzt? Der Bass hatte selbst bei höherer Lautstärke viel Kraft und Kontrolle.
Die verwendeten Lautsprecher hatten eine Impedanz von 8 Ohm und eine Empfindlichkeit von etwa 87 dB, was im Vergleich zu anderen Lautsprechern durchschnittlich ist. Die Leistungsreserven des Verstärkers erwiesen sich für einen mittelgroßen Raum als völlig ausreichend, allerdings bestanden Zweifel, ob die vom Hersteller angegebenen Leistungswerte von der Marketingabteilung hätten gesteigert werden können.
Die röhrenförmige „Wärme“ des Klangs ist auch teilweise auf die leichte Betonung des Bassbereichs zurückzuführen, die sich im Wiedergabeverhalten zeigte. Auch im oberen Frequenzbereich war eine leichte Betonung erkennbar, der ein sanfter Abfall vorausging.
Auch Experimente mit Bluetooth brachten positive Ergebnisse: Der Dayton spielt einwandfrei über Bluetooth, obwohl er keine sogenannten HiRes-Audiocodecs unterstützt.
Lesen Sie den Artikel weiter
Dieser Artikel ist Teil des AVPlus-Extra-Angebots. Weiterlesen mit 1 Guthabenpunkt.
In Ihrem Benutzerkonto warten 15 Gratis-Credits auf Sie.
Melden Sie sich an, um diesen und weitere AVPlus Extra-Artikel sofort zu lesen.
AnmeldenSind Sie ein neuer AVPlussa-Nutzer?
Melden Sie sich jetzt an und erhalten Sie sofort 15 kostenlose Credits, um diesen Artikel ebenfalls zu lesen. Keine Abonnements oder sonstige Verpflichtungen.
Anmelden



















